262.2026: Nicht vergessen

Was ich so im Kopf habe und im Kopf behalten muß.

 

Vorweg: Es geht mir wieder normal (altersgemäß) gut, das war gestern „nur” mein Eintagesfieber. Für das auch meine Ärzte keine Ursache, keinen Grund finden können. So nenne ich es psychosomatisch …

Es gibt vieles, daß ich nicht vergessen kann. Und morgen gibt es etwas, das ich nicht vergessen darf: Ganztägig soll (angeblich) der Fahrstuhl außer Betrieb sein. Nun, vor Sieben wird niemand anfangen zu arbeiten, und nach Sechse abends wird wohl Feierabend sein. Außerdem wurde die Maßnahme für alle drei Eingänge des Blocks absolut identisch angekündigt. Mal sehen, was das wirlich wie wird. — Das ist das Problem, wenn eins im neunten Stock lebt. Das sind 9×16 plus 12 Stufen vorm Haus: Einhundertsechsundfünfzig. Hinab ist für die Knie schwieriger als hinauf, aber hinauf habe ich in der Regel Last zu tragen.

Und im November habe ich mehrere Termine, die ich nicht vergessen darf. Am 16.muß ich zum Hausarzt. Am 18. ist ausschließlich in Sachsen Feiertag. Noch zwei andere Termine gibt es; und dann ist auch der Erste Advent noch im November. Und vor dem ist die Woche ausgefüllt mit dem weihnachtlichen Schmücken bei mir.

Außerdem habe ich vor, meine ganzen Vorräte turnusgemäß (Feb/Mai/Aug/Nov) durchzusehen und umzuordnen, das Gefrierfach endlich (!) abzutauen und diversen anderen Kram von der Schön-wärs-schon-Liste zu erledigen. Wenn ich von der irgendwann etwas vergesse, dann ist das ja sowieso nicht schlimm, denn nichts davon ist (über-)lebenswichtig.

Anderes aber kann und darf ich nicht vergessen.

 

Erinnerung des Tages:
Jahrelang aufgehobene Gläser (ich könnt' ja was drin aufbewahren) warf ich heute endlich in den Glascontainer.

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil

 

P.S.: Zufrieden machten mich am 28.10.2026 das überstandene Eintagsfieber, eine leerere Ecke, die beschafften und bestellten Notwendigkeiten.


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261.2026: Nicht faul

Neues aus Schniefistan, direkt von der Schlafstatt.

 

Schon die Nacht zu heute … Zu warm, zu kalt. Leicht erhöhte Temperatur. Nase dicht, im rechten Ohr irgendwas, das nicht recht ist. Am frühen Morgen 38 °C Temperatur und leichter Schüttelfrost. Wäh. Deshalb: Gesundschlafen. Das ist, was ich heute tat – und es scheint einigermaßen zu funktionieren. Vielleicht war ich fünf oder sechs Stunden wach übern Tag. Leider kann ich mich an die Träume nicht erinnern, die ich hatte. Kann auch sein, daß es so besser ist.

Wer hier länger mitliest, hat schon von meinem Eintagesfieber gelesen – ich hoffe, daß es nichts anderes ist. Testergebnis jedenfalls war negativ, es sollte also kein Covid sein. Zur Sicherheit wird gleich noch Omas Wundermittel gegen Erkältungs­symptome zum Einsatz kommen: Heißes Bier mit Honig, und danach Schwitzen im Bett … Längeres Siechtum mag ich grad nicht ertragen müssen.

 

Erinnerung des Tages:
Das heiße Bier mit Honig bekam ich schon als Kind von Oma (Opa war schon tot, also zwischen 1972 und 1976).

 

Von Beleidsbekundungen und Genesungswünschen bitte ich abzusehen. Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil

 

P.S.: Zufrieden machten mich am 27.10.2026 der Schlaf, die sinkende Temperatur, der Schlaf.


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260.2026: 's geht los

Nein nein, das ist keineswegs zu früh dafür.

 

In den Geschäften gibt es ja schon seit Wochen Weihnachtszeug. Wie ihr wißt, ist das für mich viel, viel zu früh, denn für mich gibt es Weihnachtszeug erst nach dem Totensonntag. Aaaaaaaber …

Aber heute ging bei mir das Weihnachtsgeschäft los. Ja, ich habe die ersten Arbeiten für meinen bald wieder beginnenden Adventskalender erledigt. Es gibt jetzt das HTML-Grundgerüst für die Artikel (also die Dokumentvorlage, das Template). Und das funktioniert so, wie ich es will. Es liegt auch schon eine Liste für die Ideen bereit mit drei Stichpunkten – ich brauche also nur noch 22 weitere (ja, der erste Advent ist noch im November, und ich laß den aussehen wie die anderen Advents­kalen­der­beiträge). Und ich werde wohl entgegen aller Tradition in dieser Woche noch damit beginnen, Vorräte für diese Zeit anzulegen.

Als ich dann heute unterwegs war, fiel mir auf: Es ist ja auch irgendwann bald Hällohwiehn. Ach, diese Woche? Und auch noch Reformationstag ist? Holla die Waldfee. Mal wieder alles auf einmal. Das heißt, am Freitag ist Chaos in den Läden, weil ja am Sonnabend alles geschlossen bleibt und auch nie wieder aufgemacht wird. Ehrlicherweise ist mir aber der Herbstspuk nicht ganz so zuwider wie dieses Fallendienstags-Gedöns. Aber über all das mag ich jetzt nicht nachdenken, ich konzentriere mich auf momentan Wichtigeres.

Bei mir hat hinter den Kulissen also heute meine liebste Zeit begonnen. Und neben der Schlafstatt liegen einige Weihnachtsbücher bereit, um mich in Stimmung zu versetzen. Und wenn die aufkommt, dann stellen sich auch Ideen ein, bin ich mir sicher. Na, ein paar Kerzen werden mir dabei ebenfalls behilflich sein.

 

Erinnerung des Tages:
1982 hatte ich noch genau eine Woche, bis ich mich der Einberufung folgend auf den Weg zu einer Kaserne der NVA machte.

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil

 

P.S.: Zufrieden machten mich am 26.10.2026 gekaufte Kerzen, ein wiedergefundenes Buch, zwei Kannen Tee.


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259.2026: Alles normal

Nur ich bin es gewiß nicht und will es auch nicht sein.

 

Alles normal. Wirklich. Wetter, Temperatur, Verkehrslage, Zeit (endlich wieder). Also normal … naja, eher jahreszeitlich typisch. Typisch paßt besser als normal. Gut, die Baustelle vom Haus stört noch ein wenig, aber so, wie die jetzt aussieht, ist die in drei Wochen erledigt, abgeschlossen. Dann …

Fast überall, wo ich ein paar Worte über mich hinterlegen mußte und muß, steht als erstes „Nicht normal.” zu lesen. Ich kenne nur ganz wenige Normale: das Urmeter, das Ur-Kilogramm – und das Sekundenpendel, das ich als Normal für die Sekunde wähnte, gab es in dieser Funktion nie. Und ich wollte nie „normal” sein, war immer irgendwie anders. Aber war oder bin ich typisch!? Typisch Mann/Kerl? Typisch Grund­siche­rungsempfänger? Typisch sonstwas? Neeee. Nicht wirklich. Typisch Sachse oder Erzgebirger auch nicht.

Ich bin weder normal noch typisch, ja. Aber sonst, sonst ist zur Zeit alles normal.

 

Erinnerung des Tages:
Vor zehn Jahren und einem Tag war ich hoch oben über dem Hallischen Marktplatz in einem der Hausmannstürme – mit sehr weichen Knien.

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil

 

P.S.: Zufrieden machten mich am 25.10.2026 die Zeit, die Suche nach Ideen, alte Notizen, die das Denkicht anregten.


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258.2026: So oder so

Meine zwei Seiten von etwas, das wohl viele kennen.

 

Da ist ein Mensch, der will nur das Beste für mich … Dumm nur, daß es das ist, was dieser Mensch für das Beste für mich hält. Und was dieser Mensch da denkt, das ist so überhaupt nichts für mich, also auch nicht das Beste. Meine Einwände gelten nichts, weil ich ja sowieso von nichts auch nur die kleinste Ahnung habe. Und sowieso nie hatte.

 

Da gibt es einen Menschen, für den will ich nur das Beste. Allerdings das Beste für eben diesen Menschen, aus seiner Sicht. Ich möchte nichts überstülpen, zu nichts drängen. Der Mensch führt sein Leben, und von dem weiß ich nicht allzuviel. Kann ich ja auch nicht. Und so kann ich nur eines tun: den notwendigen Freiraum zu unterstützen, bewahren zu helfen, der für das Beste im Leben notwendig ist. In dem auch Träume und kleine Wunder Platz haben und noch so viel mehr …

 

Heute weggegeben bzw. entsorgt:
Kaputte Leibwäsche hab ich heute entsorgt.

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil

 

P.S.: Zufrieden machten mich am 24.10.2026 das Wachwerden exakt eine Minute vorm Wecker­klingeln, gemahlener Kaffe (handgekurbelt), Makkaroni zum Abendessen.


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257.2026: Geschenk

Und dann war plötzlich ein Erkennen.

 

 

Eines Abends eröffnete sie ihm, daß sie ein sehr, sehr besonderes Geschenk für ihn habe. Oh, er war neugierig! Doch da war kein Päckchen, kein Umschlag, reineweg nichts zu finden. Sie könne es ihm zeigen, sagte sie, nur zeigen. Was soll das denn für ein besch… – nein, das kann nicht wirklich ein Geschenk sein, wie soll denn sowas gehen? Er schüttelte unwillig den Kopf. Da zog sie ihre Bluse aus und zeigte ihm ihr rechtes Schulterblatt. Er sah ein kleines Tattoo, einige seltsam mit- und zueinander angeordnete Linien und erkannte und verstand nichts. Das sollte ein Geschenk für ihn sein? Eher doch ein schlechter Witz, nicht wahr? Er war verwirrt, bis er in dem „Gekritzel” zwei ihm wohlbekannte Buchstaben erkannte. Da schloß er sie in seine Arme und wußte, was sie ihm grad schenkte.

Das war vor weit über 30 Jahren. Und seither haben wohl nur er und ein Arzt Tante Erdmutes Tattoo gesehen und verstanden.

 

 

Was doch so alles ans Tageslicht kommt, wenn die Protagonistin mal für kurze Zeit nicht anwesend ist …

 

Erinnerung des Tages:
Ich versuchte mich heute daran zu erinnern, wann ich die erste Stadterkundungsfahrt mit der Funkenkutsche unternahm – ich weiß es nicht mehr …

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil

 

P.S.: Zufrieden machten mich am 23.10.2026 früher Kaffee, das ausgefallene Mittagessen, ein aus dem Stegreif gezeichnetes Signet.


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256.2026: Abendszene

Ein anderer Blick in dieses eine Haus. Ein ungewöhnlicher.

 

 

Ein alter Mann sitzt an einem Couchtisch. Vor sich hat er Papier in verschiedensten Formaten, Schreibgeräte unterschiedlichster Art. Das fast chaotische Ensemble wird beleuchtet von fünf brennenden Kerzen und dem Bildschirm eines Tablets. Doch er schreibt nicht. Er sitzt da und schreibt: nichts. So geht das schon den dritten Tag. Es scheint, als seien ihm die Freude daran und die Ideen dafür ausge­gangen. Er trinkt Tee aus einer altmodischen, flachen Tasse. Blickt aufs Papier, ohne es zu sehen.

Für wen schreibt – nein, schrieb er denn bisher? Oder zu welchem Zweck? Heute weiß er darauf keine Antwort. Der alte Mann fragt sich sogar, wozu er sein Schreibzeug hinter den Büchern im großen Regal versteckt. Wenn jemand endlich lesen würde, was da zu lesen ist … Dann stellt er (zum wievielten Male eigentlich?) fest: Er hat Angst davor, denn dann würde sich sein Leben drastisch verändern, glaubt er. Und weil er nicht weiß, ob nun zum Guten oder zum Schlechten, versucht er das so gut als möglich zu vehindern. Denn Ungewißheit ist schrecklich, die stößt ihn in Gefühlsabgründe. Daher liebt er die kleinen alltäglichen Gesten und Anspielungen, die Außenstehende wohl nicht wahrnehmen und deuten könnten. Aber er weiß es, weiß das alles: So ist alles gut, was hier im Haus und zwischen ihnen geschieht. Andere Menschen möchte er um nichts in der Welt daran teilhaben lassen. Andererseits: Wie gern würde er hin und wieder in die Welt hinausschreien, wie glücklich er doch ist. Er verkneift es sich seit Jahren.

Seit drei Tagen lebt er in einem fiesen Schwebezustand zwischen Ungewißheit und Gewißheit. Seit drei Tagen ist sie schon in einem Krankenhaus, Es ist nichts, weswegen er sich sorgen sollte, sagte sie, als sie mit einem Taxi wegfuhr. Und ja, jeden Nachmittag telefonieren sie miteinander. Doch er ist seit drei Tagen allein im großen Haus, in dem er seit vielen Jahren ein durchaus gemütliches Zimmer bewohnt. Doch überall und jederzeit fehlt sie ihm; es fehlt ihm, daß er sie ständig umsorgen kann. Die Fältchen an ihren Augen (die er um Himmels Willen keinesfalls erwähnen darf), wenn sie verschmitzt, manchmal spitzbübisch lächelt, vermißt er. Eigentlich alles, das das Zusammenleben mit ihr und das Arbeiten für sie ausmacht.

Noch ganze zwei Tage, dann wird sie wieder zuhause sein. Ob Tante Erdmute ihn auch vermißt?

 

 

Erinnerung des Tages:
Vor 15 Jahren dachte ich nach dem Lesen eines Gedichts von Eva Strittmatter über Schuld nach.

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil

 

P.S.: Zufrieden machten mich am 22.10.2026 gemahlener Kaffee, ein Unterwegssein in HaNeu, die Bekanntschaft mit ihm.


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255.2026: Nur so

Nach einem Tag, den das Denkicht besetzte und blockierte.

(Mein Blog war wegen des PHP-Dilemmas nicht verfügbar, daher erschien mein Beitrag zuerst anderswo.)

 

Viele Gedanken. Einige aufgeschrieben, andre beiseitegeschoben. Leises Zittern, vermutlich aus Angst vor den geäußerten Wünschen und/oder ihrer Verwirk­li­chung. Entgegen meiner ehernen Grundsätze und Gewohnheiten eine heute beschriebene Seite aus der Kladde herausgerissen.

Petroleumlampe repariert. Kleinen reparaturbedürftigen Ventilator zu den wegzubrin­genden Elektroteilen gelegt. Gedankenwirrwarr nicht zu stoppen. Am frühen Vormittag eine Stunde nur halbwach verbracht. Dann doch aufgerafft zu etwas Haushalt. Nein, Unruhe wars nicht, aber Ruhe fand ich auch keine.

Und so saß ich und starrte Löcher in die Luft und ins Papier. Bemerkte, daß das WWW heute sehr löchrig ist und viele Sites nicht funktionieren. Wie abhängig ich davon bin … Das sollte anders sein, denke ich. Und damit kamen noch andere, wenig erbauliche Gedankenketten; doch ich ließ mich davon nicht hinunterziehen. Zum Abend machte ich mir Zwiebelreis (Reis und zwei mittlere Zwiebeln in Brühe gekocht, mit etwas Butter verrührt), eines meiner Über­lebensessen. Den Tzaziki ließ ich unangetastet.

Ein Tag verging. Einer, an dem mir zwei Dinge wieder deutlich bewußt wurden: Wie klein doch ist, was ich mit meinem Denken und Aufschreiben und Befürchten und Wünschen und Verdrängen bewirken kann. Und wie wichtig all das ist für mich und mein Sein, mein So-Sein. Nichts davon könnte ich wirklich unterlassen. Nur so, nur mit alldem bin ich ich und kann ich mich mit meinem Leben identifizieren.

 

Heute weggegeben bzw. entsorgt:
Einen großen Müllsack voller Altpapier brachte ich in den Container.

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil

 

P.S.: Zufrieden machten mich am 21.10.2026 Tagträume und Aufgeschriebenes, entsorgtes Altpaier, Zwiebelreis.

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254.2026: So sei es

Der Morgen, an dem der Winter Gewißheit wird.

 

 

Wenn's morgens noch nicht hell ist
Sondern noch Zeit bleibt
Um mich an den Tag zu gewöhnen
Und sich der Horizont erst erhellt
Beim zweiten Kaffee
Ich schließe leicht fröstelnd das Fenster
Das die Nacht über
Die Träume hinaus- und die Luft hereinließ
Die Gedanken haben ausreichend Ruhe
Sich einzuschwingen
In die sanfte Routine des Tags
Nebel bereichern meine Phantasien
Und meine Wünsche
Finden sichre Verstecke im Grau
Seh ich den Herbst sich wegschleichen
Bunter und kühler und leiser
So werde Winter

 

 

Heute weggegeben bzw. entsorgt:
Eine ganze Menge USB-Kabel verschiedenster Formfaktoren, uralte selbstgebrannte CDs, diverse Zeitungsausrisse und weiterer Kram aus vier Schubladen: weg.

 

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Der Emil

 

P.S.: Zufrieden machten mich am 20.10.2026 eine Menge Aussortiertes, ein Mittagsschlaf, einige aufgeschriebene Sachen.


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253.2026: Rotzlöffel

Welche Erinnerungen mit diesem verschwindenden Wort einhergehen.

 

 

Das waren damals aber auch noch Zeiten! Als ihr Neffe noch im Garten zwischen den sorgsam gepflegten Beeten herumtollte. Und immer, wenn der Rotzlöffel in eines der Beete hineintrat, rief sie ihn zu sich und schimpfte mit ihm. Das waren noch Zeiten …

Aber das waren nur wenige Jahre. Irgendwann wurde er zu dem jungen Mann, der ihm bei der Gartenarbeit zunächst zur Hand ging und sie schließlich für einige Zeit ganz übernahm. Oh doch, Tante Erdmute war sehr zufrieden mit seiner Arbeit! Aber irgendwann zog er weiter weg, konnte sich deshalb nicht mehr so intensiv um die Beete kümmern, wie es notwendig gewesen wäre. Und jetzt, jetzt kommt er ab und zu, einmal im Monat oder auch nur alle acht Wochen vorbei, manchmal sogar über Nacht. Und obwohl er mittlerweile ein Erwachsener in seinen besten Jahren ist, sieht sie in ihm immernoch diesen fröhlichen Jungen, der beim ausgelassenen Spielen mal einen Tritt daneben tat. Den, den sie, wie sie heute denkt, damals zu Unrecht einen Rotzlöffel nannte.

Und wenn Tante Edmute es recht bedenkt, so ist es nicht schade um das Wort Rotzlöffel, das aus dem modernen Sprachgebrauch wohl ganz verschwunden ist. Doch wenn sie daran denkt, daß er am nächsten Wochenende wieder zu Besuch sein wird … Sie sieht in ihrem Neffen immer wieder diesen kleinen, fröhlichen, im Moment lebenden Jungen. Da ähnelte er auch ihr, die sie als kleines Mädchen manchmal heimlich und absichtlich durch die Beete stakste und das als großartige Freiheit empfand.

 

 

Heute weggegeben bzw. entsorgt:
Einige Bücher nahm ich aus dem Regal und legte sie in die Tasche mit den wegzubringenden.

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil

 

P.S.: Zufrieden machten mich am 19.10.2026 schnelle Linsensuppe am Mittag, der Nachmit­tags­termin, vier Bilder in einem Lost Place.


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