124.2026: Abendgedanke

Natürlich gibt es einen Anlaß für genau diesen.

 

Es sollte zum Allgemeinwissen gehören: Die einzige Möglichkeit, wirklich lange zu leben, ist es, wirklich auch lange alt und sehr alt zu sein. Ja! Mit all den Zipperlein, all den Erfahrungen, in Dankbarkeit, mit Gelassenheit und Zufriedenheit am besten und mit Neugier – aber alt sein möchte heutzutage kaum noch wer, alle wollen nur noch möglichst alt werden. Oder?

Da fällt mir ein: Ab wann haltet ihr Menschen für „alt”; ab wann habt ihr euch selbst alt gefühlt?

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil


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123.2026: Bitterhonig

Aus einem heute weggegebenen Buch.

 

Ich habe es wohl irgendwann aus einem Öffentlichen Bücherregal mitgenommen, dieses gerade einmal 100seitige Lyrikbändchen, und sicher nur wegen seines Titels: Bitterhonig & der Klang des Taumelns (veröffentlicht bei Avantpop, einem Musik-Label). Die beiden Autoren Bird Berlin und Krupski legten damit 2015 ein Buch vor, das mich ob seiner Vielfalt alles in allem ziemlich verwirrte. Nach ein paar Jahren in meinem Bücherregal habe ich es heute mit einigen anderen Werken wieder in ein Öffentliches Bücherregal gebracht.

Ein Gedicht daraus – eines vom Texter u. a. für die Postpunk-Band „Schubsen” – zeige ich euch jetzt:

 

 
Parole Rhythmus
Krupski (Robert Krupar, ∗ 1984)

Vorangeschrittene Stunde
zu festem Termin.
Vertraute Gefährten
am kaputten Kamin.
Glorreiche Zeiten
und neue Blessuren.
Parole Rhythmus
hinterlässt seine Spuren.

Vergiftete Drinks
mit reichlich Vitamin.
Wechselwirkungen
nach verabreichter Medizin.
Danach strauchelt
der gekämmte Otto
durch die Agenturen,
nicht nur im Spiegel
grinsen die Karikaturen.

Aus: Bird Berlin & Krupski: Bitterhonig & der Klang des Taumelns. S. 52
1. Auflage 2015. © Avantpop Nürnberg
(Website von Label und Bookingagentur für Musik und Kunst [Selbstbezeichnung])

 

 

Ich weiß noch, wie ich ziemlich lange saß und es las und es mir auch laut vorlas – und doch fand ich nicht heraus, was genau an diesem Gedicht mich störte: Da war etwas, doch ich konnte es nicht erfassen. (Heute weiß ich es, na klar, es ist ja dann doch offensichtlich, nicht wahr?)

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil


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122.2026: Gedanken

Ich hatte Gelegenheit, verschiedene eigne Notizen zu lesen.

 

Auf dem Schrank im Flur fand ich auch Sachen, an die ich mich nicht erinnern konnte. Die waren völlig falsch einsortiert in einem Karton mit Büchern. Und so las ich, worüber ich mir Gedanken machte, zum Beispiel:

  • Mit 12 – Gedanken über ein Buch.
  • Mit 22 – an Familie.
  • Mit 32 – über Frauen.
  • Mit 42 – über die Welt.
  • Mit 52 – über den Weihnachtsmann.
  • Mit 62 – zum Sockenanziehen.

Und über was werde ich mir in Zukunft noch Gedanken machen? So sehr, daß ich mir dazu etwas aufschreibe? Auf keinen Fall über altersgemäße Einschränkungen, über Gebrechen oder auch Verluste. Ich werde – so hoffe ich – leise schmunzelnd an Ver­gangenes, Gegenwärtiges und natürlich Zukünftiges denken, schmunzelnd oder mit diesem ganz bestimmten Lächeln einer Gewißheit …

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil


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121.2026: Unerwünscht

Allerdings schon lange und jetzt akut notwendig.

 

Im Flur steht bei mir ein dreitüriger, alter Kleiderschrank (aus den 50ern). Der ist sehr voll und obenauf lagert eine Unmenge Zeug.

Seit Jahren will ich den mal ausräumen, ausmisten, durchsortieren. Seit Jahren habe ich das immer wieder vor mir hergeschoben, weil an allem darin Herzblut und Erinnerungen hängen. Seit Jahren weiß ich, daß es notwendig ist, aber damit anzufangen war nie erwünscht. Nun aber muß der Schrank für den Umschluß der Elektrik weg von da, wo er steht. Nicht morgen oder am Montag, doch jetzt habe ich begonnen, mich mit dem Inhalt zu beschäftigen. Nun ja, kaputte Hosen, Jacken und Bettwäsche (aus DDR-Zeiten, jetzt wirklich verschlissen) brachte ich zum Textil­con­tainer (es ist kein Container einer Altkleidersammlung). Vorhin habe ich meine 23 schwarzen T-Shirts durchgesehen und die mit Löchern u. a. Mängeln beiseitegetan. Alles graue und die restlichen 5 Oberhemden, die ich nie wieder anziehen werde (und bei denen Manschetten und Kragen auch schon fadenscheinig sind), ebenfalls. Da war auch noch trachtig Angehauchtes im Schrank, wenigstens 20 Jahre im Schrank, unangezogen – was soll ich damit tun?

Ich brachte einen zweiten blauen Sack zum Textilcontainer. Als ich zum Einkaufen losging, stellte ich einen Karton mit einigen hellen T-Shirts, zwei schwarzen Ober­hemden, einigem Trachtigen und einer schwarzen Weste unten ins Haus. Bei meiner Rückkehr stand nur noch der leere Karton da.

Schrank durchsortieren. In zehn Tagen muß ich ihn ausgeräumt und zur Seite geschoben haben …

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil


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120.2026: Fürn Fünfer

Vom Flohmarkt neben dem Mittelaltermarkt.

 

Als ich zu Pfingsten als #MarktMönch #BruderEmil unterwegs war, fanden im Ort auch Garagen- und Hofflohmärkte statt. Einer war keine 20 m weg von meinem Zelt, direkt vor der Marktkasse. Bei dem war ich am Sonnabend, um mir vielleicht etwas Kleines zu gönnen – aber da war nichts, was mich interessierte. Am Sonntag aber, am Sonntag erstand ich einen Weißbierkrug. Und es lag ein sehr gepflegt aussehendes Notebook zwischen all den Nippes. Für nur fünf Euro (ehrlich, ich habe nicht zu handeln versucht) nahm ich es mit.

Ich hatte es schon einmal angeschaltet: Win10, Akkuzustand 97%, 4 GB RAM, 750 GB Festplatte, DVD-Brenner. Das Gerät ist älter (zehn oder zwölf Jahre), der Akku austauschbar, der RAM kann auf 16 GB aufgerüstet werden. Einziger Mangel: Die Batterie für die interne Uhr ist leer. Heute habe ich auf dem Toshiba Satellite C70D-A ein SparkyLinux installiert. Und einige Software, die ich auf dem Rechner nutzen werde: Scannen, CDs rippen, HTML schreiben, LaTeX, Datenträgerarchäologie usw. usf. – ein gutes Zweitgerät ist beinahe fertig.

Nächste Woche seh ich nach der Batterie; vielleicht habe ich auch zwei passende 8-GB-RAM-Module (es ist sogar sehr wahrscheinlich der richtige Arbeitsspeicher, der hier liegt). Ich habe fürn Fünfer ein 17″-Notebook erstanden, das erstaunlich gut aussieht und gut funktioniert. Wahrscheinlich kann ich dann ein anderes, dessen Akku nicht austauschbar, aber defekt ist, zerlegen und entsorgen. Ich habe Glück gehabt für grad mal fünf Euro.

 

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119.2026: Tagesanbruch

Voller Hoffnung breche ich auf.

 

 

Im Morgennebel
Lauter Gesang von Vögeln
Tautropfenwiesen

Nach den Alpträumen der Nacht
Langsam und sanft Erwachen

Ein Tanka.

 

 

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118.2026: Viel zu früh

Ein Tag komplett außerhalb meines Zeitnormals.

 

Einmal im Quartal muß ich für mein Empfinden viel zu früh aufstehen. Und dann gibt es keinen Kaffee und kein Zubehör, sondern Tee oder Wasser. Selbst für meine Pillen war es heute noch viel zu früh. Ich mußte zur Blutabnahme nüchtern beim Arzt erscheinen … Die MFA war aber wirklich großartig in ihrer Arbeit.

Ja. Um Sechs aufzustehen ist für mich purer Streß, anders aber geht das manchmal nicht. Vor allem: An manchen Tagen bin ich immer mal wieder zu der Zeit einfach wach und kann dann nicht mehr einschlafen. Heute habe ich diesen anstrengenden Tagesbeginn unbeschadet überstanden. Den Rest des Tages schaffe ich auch noch.

 

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117.2026: Nach hinten

Sommerliche Empfehlung im Tanka.

 

 

Flucht in den Schatten
Zur angenehmen Frische
Geh nach hinten

Ein Baum neben der Mauer
Und unter dem eine Bank

Ein Tanka.

 

 

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116.2026: Partielles Verstummen

Und ich befürchte, das ist nicht die richtige Reaktion.

 

Ja, es gibt Themen, zu denen sage ich seit Jahren nichts mehr, kein einziges Wort. Denn jedes einzelne wäre vergebliche Liebesmüh. Da gibt es Unumstößliches, Unbe­lehr­bare, und ja: mittlerweile auch (scheinbar) Unsagbares. Das Schweigen breitet sich – so scheint es – dennoch nicht aus, denn da ist immer Lärm aus bestimmten Bereichen der Politik, und über die vielen Ablenkungsmanöver sprechen viel zu viele Medien und Menschen.

Das Blogsystem erinnert mich seit einigen Tagen an meine am jeweiligen Tag vor Jahren veröffentlichten Beiträge. Deshalb fiel mir auf, daß ich zu manchem eben nichts mehr veröffentliche. Am Wochenende verließ ich (auch wieder) Gesprächs­run­den, in denen für mein Empfinden zu heftig geschwurbelt wurde. Da sage ich nichts mehr, da möchte ich nichts mehr hören. Da gehe ich wirklich seit langem schon nur noch kopfschüttelnd weg.

Ich weiß, daß das nicht der „richtige” Weg, nicht das „richtige” Verhalten ist. Denn sollte ich nicht aufstehen und dagegenhalten, wenn ich es schon nicht mit Taten kann, dann doch wenigstens mit Worten?

Mal sehen, was mir die Erinnerungen an meine Beiträge noch bringen werden.

 

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Der Emil


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115.2026: Gnadenfrist

Oder etwa eine Galgenfrist?

 

Wenn jemandem – also zum Beispiel mir – in besonderen Fällen eine zusätzliche (kurze) Frist eingräumt wird, also noch etwas Zeit nach dem eigentlichen Termin oder Fristablauf gewährt wird, dann weiß ich nie genau:
 
Ist das eine Gnadenfrist oder eine Galgenfrist?

 

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Der Emil


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