Es liegt alles bereit: Papier, Tinte, Feder. Und dann sitze ich da und mir fällt nichts ein. Also versuche ich es damit, einfach draufloszuschreiben. Ohne roten Faden, ohne die Idee, ohne etwas, das ich ausformulieren möchte. Egal. Ich schrieb dann wirklich einfach los. Auf Zettel, nicht in eine meiner Kladden. So mache ich das öfter, wenn ich kein Ergebnis erwarte, sondern ahne, daß ich das Aufgeschriebene nicht verwenden, sondern zerreißen werde.
Heute war es genau so. Ich saß 45 Minuten da, schrieb in knapp 40 Minuten drei Seiten voll. Unzusammenhängendes Durcheinander. Ich sprang von Tante Erdmute zu Peterchen, notierte einige Sätze über Geschlechtsteile und ihre Nutzung, ich versuchte mich an einem Haiku (in dem ein Wort gleich dreimal vorkam). Es gab auf dem Papier nur zwei durchgestrichene Wörter, die Buchstabendreher enthielten (weider und Aufsall). Dann meldete sich mein Kurzzeitwecker (kennt ihr das Wort und das Ding noch?) und ich hörte auf. Mit dem Schreiben. Machte eine Pause, einen Cappucino (aus Pulver, mit Spekulatiusgeschmack).
Danach scannte ich einige Zettel ein, 28, um genau zu sein. Und danach sah ich mir das Aufgeschriebene an. Las, was ich da auf das Papier gestammelt hatte, und schüttelte mit dem Kopf. Sicher, da standen Sätze, die ich vielleicht hätte irgendwann, unter sehr günstigen Umständen hätte ausbauen, verwenden können. Aber … Dann nahm ich die drei Zettel und schob sie in den Reißwolf. Drauflosschreiben bringt bei mir nur selten etwas, wenn da nicht schon Ideen vorhanden sind. Ja, das geht nur selten gut aus, endet meist so wie heute. Mit Papierschnipseln.
Und nun habe ich einmal mehr … Nein, das war nicht umsonst. Das war nicht ergebnislos, nicht sinnlos oder überflüssig. Es war notwendig zu schreiben. Die Hand zu trainieren. Das Zittern auszuhalten, das mir seit einiger Zeit beim Schreiben Schwierigkeiten bereitet, und das sich im Laufe der Zeit verringerte, am Ende verschwunden war. Also: Mehr schreiben, viel mehr. Und wenn es nicht anders möglich ist, dann eben einfach drauflos.
Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.
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