176.2026: Auch ich

Ein Großer hatte, was ich noch heute habe.

 

 
Bekenntnis
 

Ich leide an Versagensangst,
besonders, wenn ich dichte.
Die Angst, die machte mir bereits
manch schönen Reim zuschanden.

Robert Gernhardt: Reim und Zeit. Gedichte. S. 13
Reclams Universal-Bibliothek Nr. 11111
© 1990, 2009, 2017 Phillip Reclam jun. GmbH & Co. KG, Stuttgart
ISBN 978-3-15-011111-6

 

 

Ist ein bißchen wie damals bei Rudi Karell: „Klaus Hinrich war Bauer, kam niemals zur Ruh, / versorgte die Schweine, den Stier und die / Oma, die meinte, du weiß doch genau …” (Goethe war gut!). Oder mein Schäferständchen von 2012 …

 

Erinnerung des Tages:
Als ich etwa 6jährig bei einem Tierparkbesuch kopulierende Hängebauchschweine sah, rief ich aus: „Guckt mal, die Schweine spielen Zug!”

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil

 

P.S.: Zufrieden machten mich am 06.08.2026 das beladene Fliewatüüt, die Klärung des Kettner­problems, der nach etlichem Hinundher funktionierende Drucker.



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175.2026: Saft

Der Zustand ist höchst bedenklich.

 

Ich schwimme im eigenen Saft. Heute früh, kurz nach Sechs, waren draußen 23 °C – und mehrere Wetterdienste gaben übereinstimmend an, daß der Taupunkt etwas über 20 °C lag. Geschlafen hab ich so schlecht wie lange nicht …

Und dann seh ich im Wetterbericht, daß die jetzt herrschende Großwetterlage wohl noch bis Ende August so bleiben soll!

Ganz ehrlich: Ich hab die Schnauze voll von den zwei Jahreszeiten Schlammig und Dürre. Ich möchte für den Rest meines Lebens lieber wieder die vier Jahreszeiten Frühling, Sommer, Herbst und Winter; und wenn ich schon beim Wünschen bin: dann auch ohne den alljährlichen Umzug in die OstEuropäische Zeitzone und zurück. Seit wann ist bekannt, daß diese unsägliche Zeitverstellung genau KEINEN Effekt hat?

 

Mir ist es zu warm, sehr vielen Menschen ist es zu warm, zu trocken ist es sowieso. Und die Schwüle läßt mich nicht nur im eigenen Saft schwimmen, sondern beeinträchtigt meine Denk- und Lebensfähigkeit. Dieser Zustand scheint mir höchst bedenklich zu sein. Ich will das nicht (mehr weiter) ertragen müssen …

 

Erinnerung des Tages:
Als Jungspund (mit 16 bis 18 Jahren) erhaschte ich am Filzteich-Damm (hinterm Turm) bei 25 bis 28 °C im FKK-Bereich so manchen Ein-/Anblick, den ich sonst nie hätte haben dürfen.

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil

 

P.S.: Zufrieden machten mich am 05.08.2026 dreimal die Zwölf, ein Gin-Tonic aus der Dose bei einem netten Schwatz, saure Fischbrötchen am Abend.


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174.2026: Uferlos

Ein Lied von 1973; Text für mich noch aktuell und sowiese zeitlos.

 

„Bleich und uferlos / liegt die Liebe bloß …”

Wer das sofort im Ohr hat und mitsingen kann, interessiert(e) sich für Musik aus der DDR. Das „Liebeslied” ist neben „Der Apfeltraum” und „Wer die Rose ehrt” eine der Hymnen, die die Klaus-Renft-Combo – später nur Renft – immer und immer wieder spielte. Schon 1958 gegründet, hatte die Gruppe eine sehr wechselvolle Geschichte, bis sie 1975 verboten wurde. Trotzdem (oder gerade deshalb?) kannte ich diese drei Lieder spätestens seit meinem Übergang auf die EOS im Jahre 1978. Denn: Sie wurden dann von der 1977 geründeten Band Karussell gespielt (und später auch von vielen anderen) … Und ab 1990 gab es Renft ja wieder, und auch diese drei Lieder gehörten einfach wieder zu ihrem festen Repertoire.

Wer möchte, kann diesen Link anklicken und das komplette Lied hören (öffnet sich in einem neuen Tab/Fenster) – in der Version von 1994.

Und auf der Website von Renft sind viele ihrer Texte nachzulesen. Wer also mag: Liebeslied – vielleicht mit einem Schreibfehler; hinter dem Menüpunkt Texte sind auch der Apfeltraum und die Rose zu finden. Ich finde, daß es heutzutage nicht mehr sooooo viele Lieder mit so schönen Texten gibt – aber da kann mein Hirn tatsächlich irren.

„Ach wie hat sie satt / Falschheit und Verrat. / Gibt alle Schwüre den Vögeln zum Fraß / und den Schlangen, denen gibt sie vom bitteren Haß.” — Bei Kurt Demmler, dem Texter, heißt es hier ursprünglich „denen gibt sie …” ebenso wie dort.

 

Und jetzt alle – 3, 4:   „Bleich und uferlos / liegt die Liebe bloß …”

 

Heute weggegeben bzw. entsorgt:
Ziemlich derb zusammengepreßte 20 Liter geschredderten Papiers und einigen Krempel brachte ich in die entsprechenden Container.

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil

 

P.S.: Zufrieden machten mich am 04.08.2026 die Musik, die erledigten Scans, wieder eine halbe Stunde Wohlfühlzeit.


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173.2026: Wohin damit?

Diverse Literatur aus meiner längst vergangenen Vergangenheit.

 

Ich kann mich noch immer nicht entscheiden, was ich mit besonderen Druck­er­zeug­nissen tun soll: Weggeben, wegwerfen oder behalten? Solange ich mich nicht für das Weggeben oder -werfen entscheiden kann, bleiben sie wohl bei mir … Es müßte eine Stelle geben, ein zentrales Archiv vielleicht, in dem alte Druckerzeugnisse vollständig erfaßt sind. Dann könnte ich dort anfragen, ob dieses oder jenes Stück schon vorhanden ist und mich bei bejahender Antwort für das Weggeben oder Wegwerfen entscheiden. Wenn's noch nicht erfaßt wäre, könnte ich meine Sachen dort abliefern. So bleibt mir nur, wieder und wieder im Internet danach zu suchen. Wie heute. Mit dem zentralen Archiv wäre es einfacher (und wirklich: nicht alle Druckerzeugnisse finden sich in der Deutschen Nationalbibliothek).

Also heute, heute war da eine Broschüre (48 S. inkl. 8 ganzseitige Photographien) über Schloß Tiefurt von 1970. Der Verfasser war Friedrich Menzel, heraus­ge­geben wurde sie von den Nationalen Forschungs- und Gedenkstätten der klassischen deutschen Literatur in Weimar. Da bin ich mir zwar ziemlich sicher, daß mindestens ein Belegexemplar (wahrscheinlich mittlerweile auch ein Digitalisat davon) bei der Nachfolgeinstitution Klassik Stiftung Weimar vorhanden ist. Aber ich weiß es nicht, und so bleibt das schmale, etwas mehr als postkartengroße Heft noch bei mir. Obwohl: Es wird noch antiquarisch gehandelt, also gebe ich es weg.

Als zweites Beispiel war da einer der „Lehrbriefe für das Hochschulfernstudium; Herausgegeben von der Zentralstelle für das Hochschulfernstudium des Ministe­riums für Hoch- und Fachschulwesen” der DDR, der liegt ebenso noch bei mir. Wahrscheinlich schon seit 1987, seinem Erscheinungsjahr. Es handelt sich um „Grundlagen der Informatik, 3. Lehrbrief; Programmieren in PASCAL”. Verfaßt wurde der von Prof. Dr. sc. nat. Klaus Mätzel und Dipl.-Math. Christel Möckel, beide an der TU Karl-Marx-Stadt, Sektion Informatik, tätig. Und wenn mich mein Gedächtnis nicht trügt, dann hab ich mir diesen Lehrbrief gekauft, als ich in jenem Jahr mehr mit (Turbo-)PASCAL machen wollte: Es gab eine Kassette bzw. ein entsprechendes Steckmodul für den KC85/87 und auch dessen Vorgänger Z9000. Und (Turbo-)PASCAL eignete sich meiner Meinung nach besser zur Auswertung gemachter Experimente als BASIC. Ob diese Lehrbriefe irgendwo archiviert sind? Ah, da ist er ja: bei Mathematik alpha, verlinkt unter dem dritten Block an Bildern (und gleich danach auch noch die „Bedienungsanleitung” von KC-PASCAL). Da kann ich den ja auch weggeben.

Dann hab ich doch noch ein weiteres Mal im Katalog der DNB gesucht, und siehe da: beides gefunden. Und noch drei weitere solcher Problemfälle gehen aus demselben Grund in ein Öffentliches Bücherregal.

 

Erinnerung des Tages:
Die ersten Schritte, die ich an Computern machte, waren tatsächlich nicht „Hallo Welt” oder Spiele, sondern Apfelmännchen (Fraktale) und Meßwertverarbeitung.

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil

 

P.S.: Zufrieden machten mich am 03.08.2026 aussortierte Bücher und Papier, Wohlfühlzeit für mich, zwei Eis.


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172.2026: Das Übliche

Ich habe keine Ahnung, ob das irgendjemanden interessiert.

 

Uff, das war ein Sonntag, wie er im Buche steht. Gaaaaaaaanz langsaaaaaaaam bin ich in den Tag gestartet, mit ausreichend Kaffee. Vor einer Kladde saß ich und fischte nach Ideen, leider ohne Erfolg. Kurz überlegte ich, mir – völlig abweichend von meinen Routinen – ein Mittagsmahl zuzubereiten, aber nein, zuviel Aufwand und zu warm. Außerdem esse ich nur einmal am Tag, seit Jahren, und mache da nur sehr, sehr selten eine Ausnahme (z. B. wenn ich bei meiner Mutter bin).

Am frühen Nachmittag war ich beim Training der Ritterschaft; ab und an muß Organisatorisches im direkten Austausch geklärt werden. Die beiden nächsten Wochen werden etwas anstrengend für mich (und da ist auch viel Schönes dabei). Und auch für den September ist schonmal einiges angestoßen.

Und danach? In paar Seiten gelesen, weiter nach Ideen gefischt, diesen und jenen Handgriff getan. Wie das wohl in jedem Haushalt passiert an einem Sonntag. Einige Bücher habe ich umgestellt. Wieder gelesen (Scheiße, fällt mir der „Dialog mit meinem Urenkel” gerade schwer) und dabei ein paar Stichworte in meine Kladde geschrieben. Dann saß ich mit einem anderen Buch eine knappe Stunde in meiner Badewanne, doch ich habe nicht sehr viel gelesen in dieser Zeit. Auf einmal waren jedenfalls die sechzig Minuten um …

Gerade bin ich mit dem heutigen Abendessen fertiggeworden. Ich hatte noch zwei aufgetaute Bratwürste. Und morgen werde ich es wohl endlich schaffen, mein Gefrierfach abzutauen. Im Moment sind nämlich alle Kühlakkus dort drin, die meine Kühlbox für ein paar Stunden hoffentlich kalt genug halten werden. Wenn nicht, muß ich allerdings 2 kg Rosenkohl, 1 l Nudelsoße, diverse Bratwürste und Geflügelteile schnellstmöglich aufessen.

Und wenn ich diesen Beitrag gleich fertighabe, dann werde ich noch ein wenig lesen, etwas Entspannendes lesen. Ihr seht, ein ganz normaler Sonntag, wie immer bei mir, wenn ich nicht auf einem Markt bin.

 

Erinnerung des Tages:
Irgendwann um 1983/84 herum endete in meiner Herkunftsfamile das Zeitalter des „Sonntagsbratens” (Gulasch, Roulade, Braten, Geflügel usw. usf.).

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil

 

P.S.: Zufrieden machten mich am 02.08.2026 mein eigenes Tempo, die geklärte Organisation, die Zeit in der Wanne.


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171.2026: Inspiriert

Beim Lesen war diese Idee ganz plötzlich da: Herr Kreidl.

 

 

Das sitzt er ja schon wieder, dieser Typ. Sieh Dir den doch mal an! Möchte wirklich wissen, was der da immer in dieses Notizbuch schreibt. Vorhin, vorhin hab ich gesehen, wie er was ziemlich heftig durchgestrichen hat. Selbst dabei blieb dieses seltsame Lächeln oder Grinsen in seinem Gesicht. Sitzt immer da drüben, so halb im Schatten auf dieser Bank. Letztens hat's geregnet, da saß der mit einem Schirm dort. Ach, und gestern: Da war er schon losge­gan­gen, sehr wahrscheinlich nach Hause, denn der wohnt ja gleich da hinten in dem grauen Haus, also da war der schon losgegangen – mir fällt bestimmt auch sein Name gleich wieder ein, denn der Typ hat sich mir mal vorgestellt – schon losgegangen also. Und dann hopst ein Kind direkt vor ihm übern Weg und winkt ihm zu. Da bleibt der stehen, holt sein Notizbuch raus, schlägt es auf und schreibt was rein. Hey, das war nur ein Kind, und es hat feundlich gewunken. Was gibt es da zu notieren, frag ich mich? — Ach ja, jetzt weiß ichs wieder: Der Typ mit dem Notizbuch heißt Kreidl. Und dann ging er weiter, der feine Herr Kreidl … Ist schon ein arg sonderbarer Typ, oder?

 

 

Die Idee – ich gestehe es gern – habe ich mir sozusagen geborgt. Denn der Herr Kreidl ist eine literarische Figur, die ich im Fediversum fand (ja, im Fediversum, nicht in Mastodon, denn ich nutze SharKey). Ganz konkret war es diese Notiz aus #KreidlsNotizbuch. Leider, leider wird auch sie nach einer kurzen Zeit automatisch gelöscht werden (zur Dokumentation habe ich mir einen Screenshot davon angefertigt). Schade, daß diese Perlen der Welt nicht wirklich erhalten bleiben – doch so hat Carl Klopse es nunmal eingerichtet. Ich danke ihm für die schöne Inspiration.

 

Heute weggegeben bzw. entsorgt:
Elf Bücher stellte ich ins Öffentliche Bücherregal, eines (Oh mein Gott, wieso hatte ich das? Kann sein, daß es mal meiner schrulligen Großtante gehörte.) warf ich ins Altpapier.

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil

 

P.S.: Zufrieden machten mich am 01.08.2026 der Regen in der Nacht und am Morgen, sehr preiswerte Weintrauben, ein Softeis unterwegs.


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170.2026: Drauf hören

Beinahe Alltag war das, aber eben doch nicht ganz.

 

Heute früh wollte ich einfach nicht aufstehen. Ich wollte liegenbleiben im Luftstrom meiner Ventilatoren. Also nahm ich mein Buch und versuchte zu lesen. Nein, nein, das funktionierte nicht, nicht mit diesem Buch. Ein anderes (wissenschaftliche Phan­tastik) paßte auch nicht und ein drittes wollte ich nicht erst versuchen. Ich stand auf, machte Kaffee, saß vorm Rechner. Wieder ist es (noch immer) viel zu schwül für mich. Und dazu kam schon nach kurzer Zeit ein sonderbares, ungutes Bauchgefühl, das mich an die Depression erinnert.

Kann ich grad wirklich nicht brauchen.

Also: Soll ich auf dieses Bauchgefühl hören?

Nein. Mach ich nicht, entschied ich. Also ließ ich die Waschmaschine laufen, konnte dabei diesen und jenen Handgriff erledigen. Eine Kiste voller Papier hernehmen und versuchen, gnadenlos auszusortieren. Damit kam ich nicht so recht voran. Na klar, das war ja zu erwarten bei diesem unguten Gefühl. Nein! So nicht! Das wäre dann der Weg hinunter, da will ich nicht hin. Wo ist jetzt das passende Geländer?

Rausgehen. Heute auch. Die Vorbereitungen dauern länger, wenn ich ein so ungutes Gefühl habe, gegen das ich ja handeln muß und will. Aber ich schaffe es irgendwann. Ich steige in den Bus, in eine Funkenkutsche, in eine zweite. Gehe zu einem Öffent­lichen Bücherregal, das ich nur selten besuche, weil andere leichter erreichbar sind für mich. Vier gelesene Bücher hatte ich mitgenommen, die ich dort zurücklasse. Andere Straßenbahn, umsteigen, weiterfahren. Etwas im Vorbeifahren am Straßen­rand gesehen und überlegt, ob ich aussteige und mir diese „Zu-Verschenken”-Kiste ansehe. Nein, ich hab sowieso zuviel Krempel, von dem ich mich trennen muß, aber oft nicht trennen kann. Woanders aussteigen, Wege und Straßen entlanggehen. Einige davon hatte ich noch nie unter meinen Füßen. Es ist schwül, das Shirt klebt mir unterm Rucksack auf dem Rücken. Da bin ich an einer Sparkassen-„Filiale” (heute ein reiner Automatenstandort), an dem ich wirklich noch nie Geld abgehoben habe. Gut, hab ich auch das gleich erledigt.

Heimwärts geht es mit einigen Umwegen. Die neuen TINA sind alle gut klimatisiert, in denen läßt es sich aushalten. Einmal steige ich aus, weil ich eine Toilette brauche (Friedhöfe und Krankenhäuser sind meine Favoriten, oder Verwaltungsgebäude mit freiem Zugang). Dann gehe ich ungeplant noch zu einem Textil-Billigheimer und suche vergeblich nach schwarzen T-Shirts mit V-Ausschnitt in meiner Größe (minde­stens 3XL). Auch in einem anderen dieser Läden werde ich nicht fündig. Vielleicht mache ich mich dann morgen extra deswegen auf. Heute habe ich mich lange genug gegen das ungute Gefühl in meinem Bauch gewehrt, es war nie wirklich weg, aber ich blieb stur.

Um Neun saß ich am Rechner, um Elf war mir klar, daß ich raus muß. Drei Stunden brauchte ich, bis ich etwa um Zwei aus dem Haus gehen konnte. Und kurz nach Sechs war ich wieder zuhause. Alltag bei mir, beinahe Alltag.

 

Knapp 7000 Schritte bei Wetter wie direkt vor einem Gewitter: schwül und leichter Wind, bedeckter Himmel. Nicht ein Tropfen Regen, kein Donner, nichts von 14.00 Uhr bis 19.30 Uhr. Die verwirrenden Zeitformen in diesem Beitrag korrigiere ich nicht.

 

Heute weggegeben bzw. entsorgt:
Vier Bücher ließ ich frei.

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil

 

P.S.: Zufrieden machten mich am 31.07.2026 die klimatisierten TINA, das Imzaumhalten des Bauchgefühls, das Eis gleich nach dem Nachhausekommen.


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169.2026: Aufgefallen

Heute zuhause und unterwegs – was soll das werden?

 

Ups. Ich habe eine (neue?) Marotte. Die fiel mir heute unterwegs und zuhause auf. Sehr deutlich und sehr peinlich und mir durchaus unangenehm.

Welche?

Ich zähle.

Ich zähle Schritte (in Zwanzigergruppen), Handgriffe, Kaffeemühlen­kur­bel­um­dreh­ungen (davon schrieb ich wahrscheinlich schon), Toilettenpapierblätter, gegessene Löffel Suppe, umgeschlichtete Zettel … Es ist unglaublich, wieviel und was ich zähle. Sogar Atemzüge während irgendwelcher Routinehandgriffe.

Ich zähle. Unbegründet. Beinahe schon zwanghaft. Heute fiel's mir sehr deutlich auf. Im Discounter machte ich 412 Atemzüge. Das zu zählen ist doch … Bekloppt! Was reitet mich da?

 

Heute weggegeben bzw. entsorgt:
Einundzwanzig Stifte sortierte ich aus, und ich warf sie in den Müll.

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil

 

P.S.: Zufrieden machten mich am 30.07.2026 Toast mit Englischer Orangenmarmelade, 4000 Schritte draußen, einige Schnäppchen beim Discounter.


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168.2026: Hilflos

Die Beobachtung einer Person und der verbliebenen Natur.

 

 

Als er auf den Bus wartet, mit dem er spätnachmittags heimfahren will, fängt er aus Langeweile an, die Büsche zu betrachten neben der Haltestelle. Auf einem sonnenbeschienenen Zweig entdeckt er eine kleine grüne Raupe, die sich von einem verwelkenden Blatt zum nächsten biegt. Er fragt sich, ob Raupen auch trinken müssen, oder ob sie ausreichend Flüssigkeit über ihre Nahrung aufnehmen können. Wenn er jetzt einen Tropfen Wasser … Mineralwasser für Raupen? Nein, das ist ihm zu fitzelig, und wenn ihn jemand dabei beobachtet … Trotzdem holt er die Flasche aus seinem Rucksack und gießt den in ihr verbliebenen Liter unten an den Busch. Es wird nichts oder nicht viel helfen bei der herrschenden Trockenheit und Hitze, aber jetzt ist wenigstens sein Rucksack nicht mehr so schwer. Er hofft auf Regen, auf ausreichend Regen. Die Raupe soll doch nicht verdursten oder verhungern. Es muß ja etwas aus ihr werden.

 

 

Heute weggegeben bzw. entsorgt:
Eine Einkaufstasche voller Bücher und CDs brachte ich in ein Öffentliches Bücherregal.

 

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Der Emil

 

P.S.: Zufrieden machten mich am 29.07.2026 Aufgeschriebenes, abgegebene Pfandflaschen, ein großes Softeis Schoko-Sahne.


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167.2026: Faszinierend

Wie nicht veränderte Sprache sich verändert.

 

Ich lese gerade Jürgen Kuczynski: Dialog mit meinem Urenkel. Nicht zum ersten Mal, beileibe nicht. Aber: Diesmal tu ich mich sehr, sehr schwer damit.

Kuczynskis Sprache in diesem Buch hat sich in all den Jahren, die ich es besitze, nicht verändert. Sie steht da noch so, wie sie 1986 beim Erscheinen des Buches im Aufbau-Verlag stand. Und es wurde meines Wissens nach auch in dieser 7. Auflage nicht ein Wort verändert im Vergleich zur Erstausgabe von 1983. Dennoch erscheint sie mir vollkommen verändert. Was sich verändert hat, ist die Welt (und meiner Meinung nach tat sie das nicht nur zum Besseren); mir fehlt, was ich damals beim Lesen noch hatte: Zuversicht und Zukunftsgewißheit. Nun, zumindest sind all die eingestan­denen Fehler des Urgroßvaters – auch die, die der Staat DDR seiner Meinung nach gemacht hatte – mittlerweile aufgedeckt, und keiner von ihnen spielt heute noch eine Rolle. Die Geschichte verlief anders als die Zukunft, die uns versprochen war.

Ihr meint, „soetwas” braucht man doch heute nicht mehr lesen? Da bin ich leider anderer Meinung oder zum Glück, doch das ist für alle, die nicht Ich sind, ja sowieso egal. Noch immer bewundere ich jedenfalls, welches Maß an Ehrlichkeit in diesem in der DDR erschienenen Buch zu finden ist (und ja, ich bin mir sicher, daß Teile des Textes im Buch sich von dem des Autors unterscheiden). Ich bin zwar erst vierten Frage („Urgroßvater, warum ist eigentlich aus Dir nie etwas Rechtes geworden?”), ich brauche ungewöhnlich lange für die Seiten, aber ich lese und ich lese weiter bis zum Ende das Buches. Faszinierend, daß ich es gerade mit diesem Buch tu, mit dem jetzt für mich so sperrigen Text.

Das Buch ist bei archive.org zu finden.

 

Heute weggegeben bzw. entsorgt:
Fünf Bücher stellte ich am Nachmittag in den Öffentlichen Bücherschrank und warf einigen Krempel in den Müll.

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil

 

P.S.: Zufrieden machten mich am 28.07.2026 knapp 50 Fotos im kleinen Industriegebiet, zwei mit nach Hause genommene Weihnachtsbücher, einiger wirklich nicht mehr brauch­barer und nun end­lich weggeworfener Krempel aus der Kramschublade.


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