256.2026: Abendszene

Ein anderer Blick in dieses eine Haus. Ein ungewöhnlicher.

 

 

Ein alter Mann sitzt an einem Couchtisch. Vor sich hat er Papier in verschiedensten Formaten, Schreibgeräte unterschiedlichster Art. Das fast chaotische Ensemble wird beleuchtet von fünf brennenden Kerzen und dem Bildschirm eines Tablets. Doch er schreibt nicht. Er sitzt da und schreibt: nichts. So geht das schon den dritten Tag. Es scheint, als seien ihm die Freude daran und die Ideen dafür ausge­gangen. Er trinkt Tee aus einer altmodischen, flachen Tasse. Blickt aufs Papier, ohne es zu sehen.

Für wen schreibt – nein, schrieb er denn bisher? Oder zu welchem Zweck? Heute weiß er darauf keine Antwort. Der alte Mann fragt sich sogar, wozu er sein Schreibzeug hinter den Büchern im großen Regal versteckt. Wenn jemand endlich lesen würde, was da zu lesen ist … Dann stellt er (zum wievielten Male eigentlich?) fest: Er hat Angst davor, denn dann würde sich sein Leben drastisch verändern, glaubt er. Und weil er nicht weiß, ob nun zum Guten oder zum Schlechten, versucht er das so gut als möglich zu vehindern. Denn Ungewißheit ist schrecklich, die stößt ihn in Gefühlsabgründe. Daher liebt er die kleinen alltäglichen Gesten und Anspielungen, die Außenstehende wohl nicht wahrnehmen und deuten könnten. Aber er weiß es, weiß das alles: So ist alles gut, was hier im Haus und zwischen ihnen geschieht. Andere Menschen möchte er um nichts in der Welt daran teilhaben lassen. Andererseits: Wie gern würde er hin und wieder in die Welt hinausschreien, wie glücklich er doch ist. Er verkneift es sich seit Jahren.

Seit drei Tagen lebt er in einem fiesen Schwebezustand zwischen Ungewißheit und Gewißheit. Seit drei Tagen ist sie schon in einem Krankenhaus, Es ist nichts, weswegen er sich sorgen sollte, sagte sie, als sie mit einem Taxi wegfuhr. Und ja, jeden Nachmittag telefonieren sie miteinander. Doch er ist seit drei Tagen allein im großen Haus, in dem er seit vielen Jahren ein durchaus gemütliches Zimmer bewohnt. Doch überall und jederzeit fehlt sie ihm; es fehlt ihm, daß er sie ständig umsorgen kann. Die Fältchen an ihren Augen (die er um Himmels Willen keinesfalls erwähnen darf), wenn sie verschmitzt, manchmal spitzbübisch lächelt, vermißt er. Eigentlich alles, das das Zusammenleben mit ihr und das Arbeiten für sie ausmacht.

Noch ganze zwei Tage, dann wird sie wieder zuhause sein. Ob Tante Erdmute ihn auch vermißt?

 

 

Erinnerung des Tages:
Vor 15 Jahren dachte ich nach dem Lesen eines Gedichts von Eva Strittmatter über Schuld nach.

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil

 

P.S.: Zufrieden machten mich am 22.10.2026 gemahlener Kaffee, ein Unterwegssein in HaNeu, die Bekanntschaft mit ihm.


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255.2026: Nur so

Nach einem Tag, den das Denkicht besetzte und blockierte.

(Mein Blog war wegen des PHP-Dilemmas nicht verfügbar, daher erschien mein Beitrag zuerst anderswo.)

 

Viele Gedanken. Einige aufgeschrieben, andre beiseitegeschoben. Leises Zittern, vermutlich aus Angst vor den geäußerten Wünschen und/oder ihrer Verwirk­li­chung. Entgegen meiner ehernen Grundsätze und Gewohnheiten eine heute beschriebene Seite aus der Kladde herausgerissen.

Petroleumlampe repariert. Kleinen reparaturbedürftigen Ventilator zu den wegzubrin­genden Elektroteilen gelegt. Gedankenwirrwarr nicht zu stoppen. Am frühen Vormittag eine Stunde nur halbwach verbracht. Dann doch aufgerafft zu etwas Haushalt. Nein, Unruhe wars nicht, aber Ruhe fand ich auch keine.

Und so saß ich und starrte Löcher in die Luft und ins Papier. Bemerkte, daß das WWW heute sehr löchrig ist und viele Sites nicht funktionieren. Wie abhängig ich davon bin … Das sollte anders sein, denke ich. Und damit kamen noch andere, wenig erbauliche Gedankenketten; doch ich ließ mich davon nicht hinunterziehen. Zum Abend machte ich mir Zwiebelreis (Reis und zwei mittlere Zwiebeln in Brühe gekocht, mit etwas Butter verrührt), eines meiner Über­lebensessen. Den Tzaziki ließ ich unangetastet.

Ein Tag verging. Einer, an dem mir zwei Dinge wieder deutlich bewußt wurden: Wie klein doch ist, was ich mit meinem Denken und Aufschreiben und Befürchten und Wünschen und Verdrängen bewirken kann. Und wie wichtig all das ist für mich und mein Sein, mein So-Sein. Nichts davon könnte ich wirklich unterlassen. Nur so, nur mit alldem bin ich ich und kann ich mich mit meinem Leben identifizieren.

 

Heute weggegeben bzw. entsorgt:
Einen großen Müllsack voller Altpapier brachte ich in den Container.

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil

 

P.S.: Zufrieden machten mich am 21.10.2026 Tagträume und Aufgeschriebenes, entsorgtes Altpaier, Zwiebelreis.

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254.2026: So sei es

Der Morgen, an dem der Winter Gewißheit wird.

 

 

Wenn's morgens noch nicht hell ist
Sondern noch Zeit bleibt
Um mich an den Tag zu gewöhnen
Und sich der Horizont erst erhellt
Beim zweiten Kaffee
Ich schließe leicht fröstelnd das Fenster
Das die Nacht über
Die Träume hinaus- und die Luft hereinließ
Die Gedanken haben ausreichend Ruhe
Sich einzuschwingen
In die sanfte Routine des Tags
Nebel bereichern meine Phantasien
Und meine Wünsche
Finden sichre Verstecke im Grau
Seh ich den Herbst sich wegschleichen
Bunter und kühler und leiser
So werde Winter

 

 

Heute weggegeben bzw. entsorgt:
Eine ganze Menge USB-Kabel verschiedenster Formfaktoren, uralte selbstgebrannte CDs, diverse Zeitungsausrisse und weiterer Kram aus vier Schubladen: weg.

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil

 

P.S.: Zufrieden machten mich am 20.10.2026 eine Menge Aussortiertes, ein Mittagsschlaf, einige aufgeschriebene Sachen.


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253.2026: Rotzlöffel

Welche Erinnerungen mit diesem verschwindenden Wort einhergehen.

 

 

Das waren damals aber auch noch Zeiten! Als ihr Neffe noch im Garten zwischen den sorgsam gepflegten Beeten herumtollte. Und immer, wenn der Rotzlöffel in eines der Beete hineintrat, rief sie ihn zu sich und schimpfte mit ihm. Das waren noch Zeiten …

Aber das waren nur wenige Jahre. Irgendwann wurde er zu dem jungen Mann, der ihm bei der Gartenarbeit zunächst zur Hand ging und sie schließlich für einige Zeit ganz übernahm. Oh doch, Tante Erdmute war sehr zufrieden mit seiner Arbeit! Aber irgendwann zog er weiter weg, konnte sich deshalb nicht mehr so intensiv um die Beete kümmern, wie es notwendig gewesen wäre. Und jetzt, jetzt kommt er ab und zu, einmal im Monat oder auch nur alle acht Wochen vorbei, manchmal sogar über Nacht. Und obwohl er mittlerweile ein Erwachsener in seinen besten Jahren ist, sieht sie in ihm immernoch diesen fröhlichen Jungen, der beim ausgelassenen Spielen mal einen Tritt daneben tat. Den, den sie, wie sie heute denkt, damals zu Unrecht einen Rotzlöffel nannte.

Und wenn Tante Edmute es recht bedenkt, so ist es nicht schade um das Wort Rotzlöffel, das aus dem modernen Sprachgebrauch wohl ganz verschwunden ist. Doch wenn sie daran denkt, daß er am nächsten Wochenende wieder zu Besuch sein wird … Sie sieht in ihrem Neffen immer wieder diesen kleinen, fröhlichen, im Moment lebenden Jungen. Da ähnelte er auch ihr, die sie als kleines Mädchen manchmal heimlich und absichtlich durch die Beete stakste und das als großartige Freiheit empfand.

 

 

Heute weggegeben bzw. entsorgt:
Einige Bücher nahm ich aus dem Regal und legte sie in die Tasche mit den wegzubringenden.

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil

 

P.S.: Zufrieden machten mich am 19.10.2026 schnelle Linsensuppe am Mittag, der Nachmit­tags­termin, vier Bilder in einem Lost Place.


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252.2026: Traumtag

Einer der seltenen, ausgiebigen, wärmenden.

 

Heute war ein fauler Sonntag. Ich schlief und las und schlief. Den Abwasch hab ich geschafft und ein ganz klein wenig sortiert und geräumt. Mir war schon fast weihnachtlich: heimelig, sanftmütig gestimmt, halbnostalgisch, vorfreudig. Nein, ich hab keine Lebkuchen gegessen – aber ein Räucherkerzchen brannte. Ah, der Duft!

Dabei wollte ich heute doch … Ach, egal. Der Tag war gut so, wie er war. Ich habe nichts Wesentliches versäumt, nichts Lebenswichtiges übersehen. Ich hab nieman­dem wehgetan, hab nicht gefroren, Musik gehört. Nachrichten hab ich so gut wie keine gesehen oder gehört. Aber Träume hab ich geträumt, wunderbare Träume, die nur schwer zu verwirklichen sind und auch welche, die sich nie umsetzen werden lassen (das weiß ich, obwohl ich mich an keinen einzigen konkret erinnern kann bis jetzt). Trotzdem träume ich sie auch weiterhin. Nicht nur an einemTag wie heute, nicht nur an einem Traumtag. Und nein, bei mir kann nicht jeder Tag ein Traumtag sein, sondern solche Tage sind eher selten.

Heute stört mich nicht einmal, daß ich mich an keinen einzigen dieser Träume konkret erinnern kann. Von den luziden am Vormittag weiß ich nur noch um ihren angenehmen Grundton. Und die Tagträume … Ja, auch die waren nicht unangenehm, aber häufig indifferent verwirrend (ich überlegte lange, zwischen diesen beiden Worten ein Komma einzufügen). Trotz allem war heute ein wärmender Tag.

 

Erinnerung des Tages:
In diesen Tagen 1989 waren viele Menschen so wie ich voller Angst und Hoffnung; und in einem meiner Fenster brannte allabendlich eine Kerze.

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil

 

P.S.: Zufrieden machten mich am 18.10.2026 viele Träume, Linsendal, Erholung in der Wanne.


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251.2026: Sieben Jahre später

Etwas Vermißtes ist zu mir zurückgekehrt.

 

Im Herbst des Jahres 2019 lud ich an einem Sonntagabend mein Zeug aus dem Vereinstransporter. Beim Hochbringen ließ ich meinen Stecken, den ich als #MarktMönch #BruderEmil nutzte, neben dem Fahrstuhl im Erdgeschoß stehen. Klar bemerkte ich das – aber zu spät. Als ich wieder hinunterfuhr, war der Stecken weg. Oh ja, dass war schade, ein Verlust, den ich nicht so leicht verschmerzte. Hatte ich ihn doch mit dem Lötkolben verziert am oberen Ende, und das war nicht so schnell erledigt. Leider tauchte mein „Hirtenstab” nicht wieder auf. Und ich hatte und habe ja noch drei Ersatzstöcke zuhause, von denen einer, der passend zu meiner rechten Hand gewachsen war, mich seitdem auf den Märkten begleitete.

Mittlerweile hatte ich mich mit dem Verlust abgefunden und wünschte den Findern viel Vergnügen mit meinem Requisit.

Heute nachmittag mußte ich doch noch aus dem Haus; ich brauchte Milch und etwas Obst und Gemüse. Ich bog um die Hausecke und blieb fast wie angewurzelt stehen. Neben den Mülltonnen standen zwei Stühle, ein Bistrotisch, ein Wäschekorb. Und inmitten des Stillebens lag: mein Stecken. Eindeutig. Das E, das keltische Kreuz, die stilisierte Jakobsmuschel – alles eigenhändig mit dem Lötkolben hineingebrannt. Sieben Jahre sah ich ihn nicht. Und seinem Zustand nach stak er in dieser Zeit in einem Blumenkübel: Die unteren 15 cm sind leicht angerottet, verfärbt. Ehe ich einkaufen ging, nahm ich meinen Stecken, meinen Hirtenstab an mich und brachte ihn nach oben. Nach sieben Jahren ist er zu mir zurückgekehrt.

Da steht er jetzt im Flur. Nach sieben Jahren. Ich überlege, ob sich das untere Ende „retten” läßt oder ob ich es einfach abschneide. Auch danach wäre er noch lang genug für mich, nur könnte ich ihn nicht mehr in Kopfhöhe mit der Hand halten. Ein Bild von ihm? Nein, erst wenn ich mich um ihn gekümmert habe. Also um sein unteres Ende. Aber ein Wunder ist es dennoch für mich, daß er nach sieben Jahren wieder bei mir ist.

 

Erinnerung des Tages:
Sogar zwei davon sind heute erwähnenswert: Eigene Texte aus den Jahren 2012/13 und die Erlebnisse um meinen Hirtenstab.

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil

 

P.S.: Zufrieden machten mich am 17.10.2026 drei Stunden Vormittagsschlaf, acht Gigabyte zusammengesuchte Daten, mein zurückgekehrter Stecken.


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250.2026: Unbekannt

Ein Erlebnis, das ich heute kaum noch habe.

 

 

»Es gibt Momente, da erkenne ich mich nicht im Spiegel, da seh' ich einen Unbekannten. Immer dann nämlich, wenn da ein lächeln­des Gesicht zu sehen ist, eine Person, die nicht zerbrochen scheint.«

 

 

Ich weiß noch: Als ich das aufschrieb (2012), ging es mir so lala. Aber an dem Tag (oder dem vorher) scheint es mir gutgegangen zu sein. Und heutzutage habe ich mich daran gewöhnt, daß ich lächle, daß es mir gutgeht (bis auf ganz wenige Momente). Die Sätze sind also nicht mehr aktuell. Das heißt aber nicht, daß meine Krankheit geheilt ist; ich beherrsche den Umgang mit ihr nur viel besser, viel routinierter als früher. Und ich hoffe, das bleibt so. Ich möchte mir nie wieder unbekannt vorkommen

 

Erinnerung des Tages:
Ich las heute mein Tagebuch aus der Zeit der Tagesklinik; oh, das ist auch schon sehr lang her.

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil

 

P.S.: Zufrieden machten mich am 16.10.2026 sehr früher Kaffee, nachmittägliche Ruhe auf meiner Schlafstatt, neue Hosenträger.


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249.2026: Vergessenes

Und jetzt sind auch meine Aufzeichnungen dazu weg.

 

Altpapier entsorgen fällt mir fast immer viel zu schwer. Und noch schwerer, wenn es Selbgeschriebenes ist, das ich da wegwerfen will. Heute waren das drei Hefter aus meiner Studienzeit, zwei Hefter Analysis und einer Lineare Algebra. Puh: Mit ∇ (dem Nabla-Operator) ging ich damals ziemlich geschickt um, das weiß ich noch. Heute verstand ich kaum ein Wort von dem, was ich damals als Vorlesungsmitschriften und Seminarnotizen zu Papier brachte. Auch die Umlaufintegrale sind wie nie gekannt komplett vergessen. Skalarprodukt und Kreuzprodukt von Vektoren sowie verschie­dene Operationen mit Matrizen sind mir als Begriffe ebenso noch bekannt, doch was dahintersteht und wie das … Neeeee, diese Mathematik ist mir zu hoch.

Die drei Hefter lagen auf dem Boden, fast zwei Stunden lang. Ich schlug Bogen um sie herum, stieg über sie hinweg. Warf anderes ins Altpapier, schob weiteres in den Reißwolf. Der Papierberg schwand schneller als der kleine Haufen Aufzuhebendes anwuchs. Schließlich zweifelte ich nur noch wegen der drei (dicken, fast akten­ordner­dicken) Hefter. Ich hob sie auf – der Inhalt ein ganzes Studienjahr, zwei Semester Mathematik an der Technischen Hochschule Karl-Marx-Stadt – und war auf dem Weg zum Schrank. Als ich sie anhob, diese drei Hefter, um sie wieder ganz oben im Schrank unterzubringen, da dachte ich, daß ich in den nächsten zwanzig Jahren ganz gewiß nicht wieder hineinsehen werde. Und drehte mich um, heftete die Seiten aus, entfernte das Metall aus den Heftern und stopfte dann alle Blätter und die drei zugehörigen Hefter in die Tasche, in der ich mein Altpapier hier sammle.

Damit ich mir das nicht doch nochmal anders überlege, brache ich das Altpapier ziemlich zügig zum entsprechenden Container. (Ja, es ist zwar schon Jahre her, aber ich holte einmal tatsächlich etwas wieder heraus aus dem Altpapiercontainer. Nicht lange danach konnte ich mich endgültig von dem Papierzeug trennen.)

 

Erinnerung des Tages:
Ein Studium ohne Internetzugang war nicht nur möglich, sondern damals die weltweit übliche Methode, weil es noch kein WWW gab.

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil

 

P.S.: Zufrieden machten mich am 15.10.2026 der Weg vom Riebeckplatz zum Markt, ein kleiner Einkauf in aller Ruhe, sauer eingelegter Paprika.


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248.2026: Waldidyll

Mit deutlichem Warnhinweis gereimt.

 

 
Im Dickicht gefunden
 

Gleich neben diesem Pilz, da steht
ein kleines Bäumchen, wie ihr seht.
Das eine grün, der andre braun,
sind beide recht hübsch anzuschaun.
Doch eines sollst Du nicht vergessen:
Du bist kein Reh, kannst eins nur essen.
Drum laß sie stehen, alle beide!
So bleiben sie 'ne Augenweide.

 

 

Heute weggegeben bzw. entsorgt:
Knapp 20 Bücher stellte ich ins Öffentliche Bücherregal.

 

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Der Emil

 

P.S.: Zufrieden machten mich am 13.10.2026 vor 23 Jahren selbtgeschriebene Sätze, drei gerippte CDs, die weggegebenen Bücher.


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247.2026: Traumfetzen

Löcher in die Erbarmungslosigkeit schlagen.

 

Das blieb mir heute früh im Auge, im Ohr, in Kopf und Herz, als mein Wecker vom Schlafende sang. Was ich träumte, war veflogen, verweht. Doch diese fünf Worte blieben, ich schrieb sie in meine Kladde, noch ehe ich aufstand.

Tagsüber nahm ich die Kladde mehrfach in die Hand, sah mir an, was ich notiert hatte. Und versuchte jedes Mal, einen Sinn darin zu finden, eine Geschichte dazu mir auszudenken, aber ich blieb dabei erfolglos. Wie muß ich mir diese Erbarmungs­losig­keit denn vorstellen, damit ich oder irgendjemand Löcher hineinschlagen kann? Eine nicht allzudicke Platte? Eine Scheibe? Sollen die Löcher denn durchgehen durch die Erbarmungslosigkeit? Oder werden die Löcher nur sein wie Löcher in der Erde, wie Bohrlöcher? Schon an der Stelle weigerte sich meine Phantasie zu entscheiden. Da war und ist ja aber auch noch die Frage: Womit kann jemand die Löcher in die Erbarmungslosigkeit schlagen!?

Wäre ich heute nicht durch andere Dinge gut abgelenkt gewesen, so hätte ich wohl um einiges länger darauf herumgedacht. Und am Ende festgestellt: Welch eine vergebliche Liebesmüh'. Denn ganz ehrlich: Muß ich zu jedem sonderbaren Traumfetzen mir tiefgründige Gedanken machen? Mir den Kopf zerbrechen über etwas, das keiner logischen Erklärung bedarf? Ich kann doch dieses „Löcher in die Erbarmungslosigkeit schlagen” rezipieren wie ein Gedicht, wie ein Stück Dada. Da muß nichts interpretiert werden, da braucht es kein „Was will uns der Dichter damit sagen”. Denn dabei gewinne ich in der Regel keine wirkliche Erkenntnis. Oder habt ihr bei den Gedichtinterpretationen eurer Schulzeit jemals wirklich „aha, so war das gemeint” gedacht?

Hab mir dennoch einen Zettel ausgedruckt. In einer Frakturschrift. Er liegt jetzt am Schreibplatz.

 

Erinnerung des Tages:
Ich mußte heute an die Nachbarn im Dorf denken: Es hieß, nach dem siebenten Kind durfte die Frau als erste und alleine in die Badewanne.

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil

 

P.S.: Zufrieden machten mich am 13.10.2026 der frühe Kaffee, ein Mittagsnickerchen, ein Dauerlächeln.


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