191.2026: Luftpost

Nein, so wichtig und so weit muß dieser Brief nicht reisen.

 

 

Mein lieber Freund,

Du hast mich gestern beim Abschied gefragt, welche Pläne ich noch habe für mein Leben. Ich antwortete in diesem Moment – und ich hielt mich dabei für ehrlich – ziemlich vergnatzt: Keine. Eine Viertel­stunde später bereute ich es, in diesem Ton und mit diesem Wort geantwortet zu haben. Verzeih mir bitte meine schroffe Reaktion.

Außerdem habe ich … Nun ja, Pläne sind es wirklich nicht. Aber Wünsche, nein: Träume hab ich noch. Viele Träume, die mit Sicher­heit nicht alle wahrwerden können. Es gibt welche, die werde ich ganz sicher niemandem offenbaren, auch Dir nicht. Wir wissen beide, daß der Mensch Geheimnisse behalten muß, nicht alles aussprechen will und kann – ich zum Beispiel, weil ich mich für dies und das schäme, schämen würde.

Weißt Du, ich lade Dich am Freitag nächste Woche wieder zu mir ein. Du darfst gern schon am Nachmittag erscheinen. Und dann … Dann werde ich Dir von meinen Träumen erzählen, so gut ich das kann. Und hoffe, daß ich auch von Deinen erfahre – oder hast Du keine mehr? Das glaube ich nicht. Und wer weiß: Vielleicht entsteht daraus ein monatlicher Träumefreitag, oder wir schaffen es wenig­stens einmal im Vierteljahr. Ich würde mich darüber und auf jeden dieser Freitage freuen. Wenn es Dir nicht zuviel wird, jedenfalls.

Falls Du unbedingt etwas mitbringen möchtest: einen Weißwein vielleicht und Neugier und – bitte, das gäbe mir etwas Mut – auch einiges, das Du mir „verraten” wirst. Ach, und: Wäre Dir eher nach Pizza oder nach Thailändisch?

Wir sehn uns, mein Freund, nicht wahr? Bis dahin.

 

 

Es ist weder ein Brief an mich noch einer von mir. Ich weiß nicht, wo der so plötzlich herkam.

 

Heute weggegeben bzw. entsorgt:
Einige alte Zeitschriften wurden heute zu Altpapier.

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil

 

P.S.: Zufrieden machten mich am 21.08.2026 ein Kakao, ein Gespräch im Haus, die Zeit in meiner Badewanne.


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190.2026: Uferlos

Fluß und Lied und Zeit und Liebe und Regen.

 

 

Bei der Hitze in den letzten Wochen hatte ich es nie bis hierher geschafft. Und auch heute hätte ich … Aber nur beinahe. Bei dem sanften Landregen, so dachte ich, geht das schon. Deshalb sitze ich jetzt hier unter dieser Kastanie auf der Bank und schau aufs Schwarz­wasser, das gerade noch so über die Steine in seinem Bett fließen kann. Na, vielleicht sorgt der Regen dafür, daß sich die Lage der Flüssen entspannt, wieder ausreichend Naß vorhanden ist. Es muß ja nicht gleich Hochwasser kommen! Dann säße ich jetzt nicht nur im Regen hier, sondern auch mit meinem Arsch im Wasser, wie es vor ein paar Jahren gewesen wäre. War kein schöner Anblick, hat mir sogar Angst gemacht. Damals war die Bank hier komplett unter Wasser, waren über zweieinhalb Meter Hochwasser im Fluß. Ich hab es mir nichtmal von der Brücke aus ansehen dürfen, die war damals auch gesperrt. Die Spuren am Baum sind längst wieder verblaßt – ich hätte sie damals markieren sollen …

Heute, hier im Regen, unter dem Baum und unter meinem großen Regenschirm, beobachte ich das Schwarzwasser, wie es vorbeifließt. Und ich stelle mir vor, wir könnten die Zeit auch so fließen sehen. Ob das unseren Umgang mit ihr verändern würde? Wäre ich erschrocken über diese schiere Urgewalt, die ich da an mir vorbei­rasen sähe? Oder würde ich verzweifelnd auf wenige winzige Tröpfchen schauen, die schon auf ihrem Weg an mir vorbei zu verschwinden scheinen? Wie „die Zeit” wohl aussehen würde, welche Farben sie wohl hätte. Vielleicht wäre sie geschwin­dig­keits­abhängig getönt?

Der Regen hat aufgehört. Plötzlich habe ich dieses Sommerlied im Ohr, das ich aus meiner Jugendzeit noch kenne …

 

 

Wer dieses Sommerlied nicht kennt: Das „Liebeslied” (auch bekannt als „Leicht und uferlos”) der Klaus Renft Combo gibt es dort in der Version von 1994.

 

Erinnerung des Tages:
Klassenfahrt, Ende der 7. Klasse, auf dem Darß. Vor der Unterkunft tauchte eine Kawasaki Z1000 auf, manche von uns durften hinter dem italienischem Besitzer eine Runde übern Platz mitfahren (ich nicht).

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil

 

P.S.: Zufrieden machten mich am 20.08.2026 mein Ausschlafen, ein bearbeitetes Bild, der erledigte dringende Einkauf (Toilettenpapier).


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189.2026: Gelaber

Die Schwierigkeiten des Sprachgebrauchs in Diskussionen.

 

 

Der selbsternannte Philosoph
find't die gestellte Frage doof.
Doch reagiert er nicht mit Schweigen,
er will sich wohlgebildet zeigen.
Beginnt die Antwort vehement
mit Worten, die kein Mensch hier kennt.
Kein klares Wort mehr spricht er. Aber:
Wir hören sinnfreies Gelaber.

 

 

Nur ein gereimtes Sprachspiel, eine Fingerübung sozusagen. Das in der letzten Zeile zuerst verwendete „endloses” habe ich dann doch noch ersetzt.

 

Heute weggegeben bzw. entsorgt:
Nicht mehr benötigte Küchenutensilien stellte ich („Zu verschenken”) ins Haus; es scheint alles neue Nutzer gefunden zu haben.

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil

 

P.S.: Zufrieden machten mich am 19.08.2026 einige Wohlfühlzeit, Nudeln mit sehr viel roter Soße, mein eigener Mut.


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188.2026: Aufraffen

Das muß doch ohne den berühmten „Tritt in den Hintern” gehen.

 

 

Das Notizbuch liegt noch immer auf dem Hocker neben dem Tisch. Aufgeschlagen, seit drei Wochen. Wahrscheinlich finde ich gleich eine Staubschicht auf dem Papier, wenn ich es hochhole auf die Tischplatte.

Na dann. Die letzten notierten Worte kenne ich aus­wen­dig. Schließ­lich geistern sie mir seit drei Wochen Tag und Nacht durch mein Gehirn, denn ich suche händeringend nach einer möglichen Fort­set­zung der Szene. Tja, wenn ich da nur nicht dieses – für mich – perfekte Ende mit großem Cliffhanger niedergeschrieben hätte …

Noch gestern hatte ich die Idee, einen zweiten Handlungsstrang zu eröffnen. Vielleicht etwas Vorgeschichte? Oder etwas parallel Ablaufendes? Nur muß ich in beiden Fällen dafür sorgen, daß nicht zuviel vom Geheimnis preisgegeben wird, das ich bisher nicht aufgelöst habe. Weil ich die Szene ja weiterschreiben möchte. Da liegen vier Möglichkeiten neben dem Notizbuch, auf Schmierpapier – und ich kann mich für keine entscheiden. Weil ich eben auch noch keine Möglichkeit gefunden habe, wie ich das bruchlos an den fertigen Text anbinden kann.

„Ich ärgerte mich über meine Unbeherrschtheit. Vor lauter Ärger hatte ich den Brief ungeöffnet und damit auch ungelesen in den Müll geworfen. Vielleicht war das ein unverzeihlicher Fehler.” — Und nun? Eine Nachfrage beim Absender per Telefon? Das setzt voraus, daß der bekannt ist. Was ist bei einem unbekannten Absender oder einem Brief ohne Absenderangabe? Wenn der Brief aber beim Wegbringen des Papiermülls wiedergefunden wird: Ist es dann für irgendetwas zu spät? Kommt eventuell eine weitere Nachricht, eine nachfragende Textnachricht, oder gar ein weiterer Brief? Taucht überraschender Besuch auf, der mit ihm/mit ihr über den Brief reden möchte? Ha, eben: Ich weiß ja noch immer nicht, ob die handelnde Hauptperson weiblich, männlich oder sonstwas ist. Bisher habe ich es vermeiden können, das angeben zu müssen. Schaffe ich das auch weiterhin?

„… Vielleicht war das ein unverzeihlicher Fehler. Es könnte aber auch anders sein. Die Augen huschen im Zimmer umher und bleiben dann am Papierkorb hängen. Völlig überraschend liegt in dem jener Brief, den ich eben noch verloren glaubte. Zerknüllt, aber ungeöffnet und sonst unbeschadet. Vorsichtig streiche ihn ihn glatt. Weder kenne ich die Handschrift, die meine Adresse schrieb, noch finde ich einen Absender. Es könnten zwei oder drei Blatt Papier darinnen sein. Auch handschriftlich? Ein- oder beidseitig beschrieben? Kleine oder große Schrift? Wenn ich den Brief nicht öffne, werde ich das nie erfahren. Dennoch ist in mir eine Angst vor dem, was ich dann lesen kann; denn es ist völlig unvorhersehbar für mich, völlig ungewiß.

Na gut, dann mache ich mich mal daran und schreibe diesen omi­nösen Brief. Das sollte mich für einige Zeit von meinem Problem der bisher unentschiedenen Fortsetzung ablenken. Hoffe ich.

 

 

Nein nein, das da dreht sich nicht um mich. Auch, wenn mir solche und ähnliche Fragen schon begegneten. (Allerdings: Über einen handgeschriebenen Brief würde ich mich sehr freuen. Nur weiß ich nicht, ob ich eine Antwort fertigbringe.)

 

Erinnerung des Tages:
Einige spezielle Plastedosen und -schüsseln, die durch ein neues Schüsselset ersetzt wurden, gab ich ob ihrer Schäbigkeit in den Müll.

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil

 

P.S.: Zufrieden machten mich am 18.08.2026 am Ende doch das Ausschlafen bis Mittag, der Besuch in der Apotheke, leckerer Fisch am Abend.


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187.2026: Für den Rest

Auch das sollte doch einen Versuch wert sein. Oder?

 

In diesem Jahr wollte ich alles so machen, als hätte ich das letzte Mal die Gelegenheit dazu. Naja, das hab' ich wohl nicht immer geschafft bis zum heutigen Tag. Jetzt aber, jetzt kommt noch etwas dazu. Ich will vor keinem meiner Träume mehr zurück­schrecken – vielleicht sogar für den Rest meines Lebens …

Ein großes Vorhaben? Vor allem etwas, das ich ausprobieren will.

 

(Irgendwie klemmt es grad mit den längeren Texten; und statt Phantasie beschäftigt mich zur Zeit die Wirklichkeit. Wie's so ist im Leben.)

 

Heute weggegeben bzw. entsorgt:
Es wanderten heute ziemlich viele alte Papiere durch den Reißwolf.

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil

 

P.S.: Zufrieden machten mich am 17.08.2026 mein sehr gut sprudelndes Blut, die Pommes, das ausgelesene und das angefangene Buch.


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186.2026: Fünftausend

Und ein paar Hundert mehr, doch viel ist das wirklich nicht geworden.

 

Nein nein, der Blogbeiträge sind es inzwischen schon einige mehr. Und auch Schritte zählte ich heute nicht. Aber ich habe den Rest des (gemahlen gekauften) Kaffees aus der Packung in meine Kaffeedose gegeben. Und nun habe wieder ganze Bohnen, die ich nach und nach verbrauchen werde.

Irgendwann am Vormittag begann ich damit, die Kaffeebohnen mit der Hand­kaf­fee­mühle zu mahlen. Das geht ganz schön auf die Arme, kann ich euch sagen. Der befüllte Bohnentrichter meiner Mühle braucht 800 Umdrehungen, von denen ich 50 und 50 mit der linken, die nächsten 50 und 50 mit der rechten Hand drehe. Der Auffangkasten meiner großen Mühle faßt mehr Pulver, aber nach 400 Mal Kurbeln leere ich ihn in eine wirklich gut dichte Dose, in der das Mahlgut sein Aroma nicht so schnell verliert. Zwischendurch sah ich mir Bilder an, selbsgemachte, aus den Jahren 2000 bis 2004. Damals fotografierte ich das meiste noch auf Negativfilm, vieles auf dem Ilford Delta XP-2 (ein als Farbfilm zu entwickelndes Material, das dennoch nur Schwarz-Weiß-Bilder ergab). Ja, ich hatte dann auch schon eine Digitalkamera, aber die nutzte ich als Ersatz für die Polaroid, mit der ich davor mir ansehen konnte, wie die Bilder auf dem Film wohl aussehen werden.

So kurbelte ich heute und sah mir Bilder an und löschte einige Dateien. Vom ange­kün­digten Regen war tagsüber allerdings nichts zu sehen; es kann wohl kurz vorm Morgengrauen ein paar Tropfen gegeben haben, aber dann war es schwül. Nicht mehr ganz so heiß, das stimmt, aber abgekühlt hat es sich hierzustadt nicht wirklich. Und neben meiner Löscherei und Kurbelei liefen heute die CDs Nº 1 bis 8 der DT64-Story. Ja, da ist wirklich schöne Musik dabei.

Gelöscht habe ich viel weniger Dateien, als ich Kurbelumdrehungen tätigte. Dabei schaffte ich noch nicht einmal 1 Pfund Kaffee zu mahlen mit 5.600 Mal leiern. Aber wenigstens weiß ich wieder, wie anstrengend – nein, wieviel Arbeit es braucht(e), bis das feine Pulver erzeugt ist, welches mir morgens so notwendig scheint. Und ich denke daran, daß es ja lange Zeit keine motorisierten Geräte gab, mit denen Kaffee gemahlen wurde, sei es in den Röstereien, in den Läden oder den Haushalten. Ach, bei meinen Großeltern habe ich das Handmahlen noch selbst erlebt und gelernt, lange bevor ich selbst Kaffee trinken wollte. Beide Kaffeemühlen besitze und benutze ich heute. Und wie ich den Geruch liebte und liebe …

 

Erinnerung des Tages:
Ach ja, zu solcher Musik habe ich als Jugendlicher in der Dorfdisko getanzt (zumindest zur älteren davon).

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil

 

P.S.: Zufrieden machten mich am 16.08.2026 meine Ruhe, 269 gelöschte Bilddateien, gemahlener Kaffee.


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185.2026: Zitat

Ganz unterschiedliche Impulse für mein Denkicht. Immer willkommen.

 

Seit einiger Zeit habe ich ein Magazin abonniert; und wenn ich sage, welches das ist, kommt bestimmt die Frage: „Wieso?” Naja. Wer mein Blog kennt, weiß um meine Affinität zum monastischen Leben – ich bin nicht von ungefähr ein #MarktMönch. Außerdem liebe ich es, Anregungen zum Denken zu finden. Egal ob im DLR-Magazin, im femto, oder eben im cap! – im Magazin der Kapuziner.

Das aktuelle Heft steht unter dem Motto „Anders sein”. Und ja, es liefert mir viele Denkanstöße, denn ich bin ja auch anders, eben nicht normal. Und in meinem Denken gehen Physik und Religiosität durchaus zusammen. Heute fiel mir ein Zitat auf, eines, das ich schon lange als beinahe geflügeltes Wort kenne:

 

 

Jenseits von richtig oder falsch liegt ein Ort, dort treffen wir uns.

Rumi (∗ 1207 – † 1270), islamischer Mystiker und Dichter.

 

 

Jenseits von richtig und falsch – das heißt doch auch: Jenseits von normal? Oder? Und ist richtig ehernormal als falsch oder falsch eher normal als richtig? Wie ist das in eurer Beobachtung? Nicht umsonst steht bei mir in jedem Profil (online) ganz oben, am Anfang: „Nicht normal.” Ja, ich denke, daß das auch heißt: „Jenseits von richtig und falsch.” Außerhalb allgemein üblicher Kategorien. Für mich ist nur Platz in der untersten Schublade, weil ich extreme Höhenangst habe. Jaja, lacht oder schmunzelt ruhig.

Übrigens sind alle drei von mir erwähnten Magazine im kostenlosen Abo erhältlich (und gut im Netz zu finden). Wer also wie ich den einen oder anderen Denkanstoß haben mag …

Und außerdem bin ich neugierig: Wo holt ihr euch Impulse, die euch zum Denken anregen!?

 

Heute weggegeben bzw. entsorgt:
Ich gab 14 Bücher und fünf CDs ins Öffentliche Bücherregal.

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil

 

P.S.: Zufrieden machten mich am 15.08.2026 mein Ausgeschlafensein, ein erledigter Einkauf (bei der Hitze!), Würstchen mit Brot und Senf (Bautz'ner, mittelscharf).


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184.2026: Ausgeschlafen

Heute bin ich das wirklich nicht, und ich denke: Na und?

 

Mir scheint, daß mir bevortsteht bzw. ich geade erlebe, was ich jetzt länger nicht hatte: Ein Schlafwochenende.

Schon gestern lag ich ziemlich viel auf meiner Schlafstatt – es ging mir nicht sehr gut, meine Wege beschränkten sich zumeist auf die Strecke ins Bad und zurück. Trotzdem hatte ich einiges geschafft, ging mein Leben seinen durchaus gewohnten Gang. Heute war ich wach von Sechs bis halb Acht, von Zwölf bis kurz nach Zwei und dann ab halb Sechs wieder. Die restlich Zeit schlief ich. Und so richtig munter war ich zwischendurch nie.

Auch jetzt noch ist Müdigkeit in mir, sowohl von der ausschlafbaren als auch von der unausschlafbaren Art. Für die eine geb ich mir Zeit bis Montag – ob ich die andere angesichts der „Welt”-Lage je wieder loswerden kann, bezweifle ich. Doch ich werde mich von ihr nicht hineinziehen lassen ins Loch der Depression, ganz sicher nicht. Also gönne ich mir die Pause, die Auszeit, den Schlaf … Ich bin deswegen noch nicht einmal besorgt oder gar unruhig.

Bleibt die Frage, ob ich auf diese Art und Weise etwas „verpasse”. Einen Waldbrand? Irgendwelche realitätsfernen Äußerungen von Personen, die regelmäßig Kreide holen waren in Physik? Hierzustadt soll es heute eine Störung im Straßen­bahn­betrieb gegeben haben; na und? Die habe ich (erfolgreich?) verschlafen. Ja, schon gestern blieb vieles liegen von dem, das ich erledigen wollte, und heute sogar alles. Na und? Erledige ich es eben nach dem Ausschlafen …

Gerade in diesem Moment, da ich das hier in der Kladde notiere, stelle ich mir mehrere sonderbare Fragen. Weil ich (plötzlich?) nicht mehr in Aufregung gerate darüber, daß ich etwas nicht geschafft habe, etwas in meinem Leben sowieso überhaupt nicht mehr schaffen werde. Wie zum Beispiel das Scannen der vielen Fotos, die ich nur als Negativ oder Abzug besitze. (Ganz nebenbei auch: Wer wird die jemals übernehmen, erben, wertschätzen?) Oder all die Bücher, die bei mir stehen und die ich wahrscheinlich wirklich nicht alle werde lesen können. Heute denke oft: Na und? Früher wäre ich da mit ziemlicher Sicherheit panisch geworden, in eine Art Aktionismus verfallen. Aber heute, so müde, wie ich heute bin: Na und?

Ja, auch zum Denken bin ich heute zu müde, zum Ausdenken von Geschichten, zum Schreiben. Ich habe die Zeit überwiegend schlafend genutzt und jetzt, so halb Sieben herum, diesen Text verfaßt. Und ihn gleich abgeschrieben. Und jetzt stelle ich ein, daß der Beitrag um 19.45 Uhr veröffentlicht wird. Und leg mich wieder hin. Vielleicht lasse ich mich leise vom TV-Programm berieseln. Und wenn ich irgendwann ausgeschlafen wachwerde: Na und?

 

Erinnerung des Tages:
Welches Tages?

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil

 

P.S.: Zufrieden machten mich am 14.08.2026 der Schlaf, die Träume (die wenigen, von denen ich noch Fetzen weiß), die Stille bisher.


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183.2026: Was es ist

Manche halten Realität für etwas, das der Wirtschaft nützen muß.

 

Wer das da draußen noch immer für bestes Sommer- und Badewetter hält, der hält Physik für etwas, das man kaufen kann, meint, daß physikalische Gesetze wirtschaft­lichen Richtlinien und Zielen angepaßt werden können. Bedenkt doch nur: Wälder und andere Lanschaften brennen, Felder verdorren, Flüsse fallen trocken, Teiche und Seen trocknen aus, es gab eine Sonnenfinsternis und Erdbeben und ein Vulkan brach aus.

Na? Erkennt ihrs?

Genau.

Das ist die Apokalypse!

Und wenn es nicht die Apokalypse ist, so ist es doch zumindest die Klimakatastrophe, die menschengemachte, die uns Menschen das Leben schwerer macht. Das hätte ruhig erst 40 Jahre später beginnen können, denke ich egoistisch vor mich hin … (Und: Die Idee hatte ich schon heut vormittag im #Fediverse gepostet.)

 

Heute weggegeben bzw. entsorgt:
Vom gestern hervorgekramten Karton behielt ich nur vier Blatt Papier, alles andere landete z. T. geshreddert im Altpapier.

 

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Der Emil

 

P.S.: Zufrieden machten mich am 13.08.2026 ein geschaffter Einkauf, ein Wannenbad, 3 l kalten Tees.


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182.2026: Wechsel

Wie unterschiedlich unterschiedliche Bezeichnungen einunddieselbe Sache erscheinen lassen.

 

Manchmal spiegeln sich Mond, Sonne, Bäume oder Häuser darin, im kleinsten Binnen-, genauer Stillgewässer dieser Erde. Und: Nach einem jeden Regen kann ich den Himmel drin sehen, in jeder einzelnen dieser Scheiß-Pfützen!

Ja, stimmt, so würde sie heutzutage niemand nennen, oder doch? Jetzt, wo jeder einzelne Tropfen Regen innbrünstig herbeigesehnt wird? Und dennoch: kleinstes Binnengewässer der Erde oder Scheißpfütze, das ist schon sehr anders, nicht wahr?

Ich glaube: Es gibt bestimmt fast unendlich viele Dinge und Handlungen, bei denen nur die unter­schied­liche Bezeichnung zu völlig unterschiedlichen Bewertungen führt.

 

Heute weggegeben bzw. entsorgt:
Ein Räucherstäbchenhalter, vier Saftgläser und zwei Blumenübertöpfe stellte ich unten ins Haus, alles fand wohl neue Besitzer/Verwender.

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil

 

P.S.: Zufrieden machten mich am 12.08.2026 erholsame Temperaturen bis zum frühen Nachmittag, Fischstäbchen mit Kartoffelbrei, ein zum Sortieren hervorgekramter Karton.


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